Museum Hours:

Saturday 10-6

Sunday 12-5

 
Advertisement

Vintage Television Sets and Colour Television Sets from the Dawn of Television until Now

Echard Etzold's Site

Erste Hilfe vor dem Einschalten von alten oder historischen Fernsehgeräten

Was tun, wenn man auf dem Dachboden, im Keller oder im Sperrmüll einen alten Fernseher oder Farbfernseher findet? Immer wieder bekomme ich Anrufe oder Email-Zuschriften mit der Bitte um Auskunft in solchen Fällen. Darum habe ich hier eine Liste der wichtigsten Regeln einmal zusammengestellt:

Was ist es?

  • Zuerst den Apparat identifizieren. Ist es ein Vorkriegs- oder Nachkriegsgerät? Schwarzweiß- oder Farbfernseher? Deutsches oder ausländisches Gerät? (Achtung: diese werden teilweise mit 110 Volt betrieben und können durch unsere 230 Volt Netzspannung unwiederbringlich zerstört werden!) Bei

Messgeräte und Werkzeuge

  • Unbedingt notwendig: Schraubenzieher, Trenntrafo (beide für wenigstens 500 Watt ausgelegt), Vielfachmessgerät (wenn möglich mit Drehspulinstrument und mit 1000 Volt D.C.-Bereich), Pinsel und Staubsauger, Lötkolben, Zangen nach Bedarf. Von Vorteil ist die Nutzung von Regeltrafo, Oszillograph, Labornetzgerät mit 0 - 300 Volt und eingebautem Milliampéremeter, Bildröhrenprüfgerät und Röhrenprüfgerät. Alle diese Sachen sind auf ebay heute gebraucht zu bekommen.
     
  • Trenntrafo ist Pflicht! Der Trenntrafo schützt vor lebensgefährlichen Berührungen und macht die überprüfung mit einem Oszillographen erst möglich. Mit dem Regeltrafo kann der gefährliche Einschaltstoß abgeschwächt werden. Gerade die Apparate aus den 1960er Jahren haben keinen Heißleiter im Heizkreis, so dass die Heizfäden den vollen Einschaltstoß ab bekommen, und da sie im kalten Zustand besser leiten, sich stärker erhitzen als im Normalbetrieb.

Zur Situation

  • Wenn ein Apparat auf dem Dachboden oder im Keller gefunden wird: auf keinen Fall den Stecker in die Steckdose stecken und anschalten! Und wenn es noch so verführerisch ist. Diese Apparate haben oft eine längere Standzeit von bis zu mehreren Jahrzehnten hinter sich, und in dieser Zeit verändern sich die elektrischen Eigenschaften von kritischen Bauteilen. Besonders die Elektrolytkondensatoren im Netzteil sind davon betroffen. Durch chemische Reaktionen der Elektrolytmasse entstehen beim Einschalten hohe Leckströme, die praktisch einen Kurzschluss darstellen. Dadurch können Vorwiderstände und Gleichrichter zerstört werden. Sind diese robust ausgelegt, so erhitzt sich die Elektrolytmasse im Kondensator, und unter Umständen kann solch ein Kondensator sogar explodieren.
     
  • Ein anderes empfindliches Bauteil ist der Zeilentrafo: stand der Apparat in einem Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit, so zieht im Laufe der Zeit Feuchtigkeit in die Spulen des Trafos, die unter dem Einfluss der Hochspannung leitend wird. Sprüerscheinungen und Funkenüberschläge führen zu Windungsschlüssen und zum Durchbrennen des Trafos.
     
  • Wenn die Bildröhren - und das trifft auch auf Farbbildröhren zu wie ich kürzlich erleben konnte - mehrere Jahrzehnte gestanden haben, verändert sich auch bei ihnen die Kathodenoberfläche. Das führt zu Emissionsverlust. Wenn man solch eine Bildröhre vor der ersten Inbetriebnahme mit dem Bildröhrenprüfgerät testet, so weist sie schwache bis unbrauchbare Emissionswerte auf und wäre eigentlich ein Kandidat für eine Regeneration oder einen Bildröhrenaustausch. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass sich diese "tauben" Bildröhren im Betrieb nach wenigen Stunden von selbst "regenerieren" und ihre frühere Strahlstromleistung zurückgewinnen. Wird sie jedoch regeneriert, so ist zwar eine kurzzeitige Verbesserung zu erzielen, die jedoch wesentlich kürzer anhält als wenn man ihr Zeit gibt und sie wieder von selbst zu sich kommen lässt.
     
  • Bevor man in Erwägung zieht, ein altes Gerät wieder zu reparieren, sollte man abwägen: handelt es sich um einen Vorkriegsfernseher oder ein Gerät der frühen Nachkriegszeit, so ist der Apparat im Originalzustand belassen und nicht funktionsfähig unter Umständen wertvoller als ein Gerät, das repariert wurde und funktionsfähig ist, aber sich nicht mehr im Originalzustand befindet. Hier sollte man den Rat eines Spezialisten dringend einholen, bevor weitere Schritte unternommen werden. Schon viele Vorkriegsfernseher sind durch unsachgemäße Reparaturen unwiederbringlich beschädigt und zerstört worden.
     
  • Bei Bild- und Tonfehlern sind die üblichen Verdächtigen in der Regel Koppelkondensatoren, WIMA-"Bolchen", Eroid-Papierkondensatoren u.ä.. Besonders die Kondensatoren in der Vertikel-Gegenkopplung sind anfällig und führen zu starken vertikalen Verzerrungen des Bildes.

Abhilfen

  • Vor der ersten Inbetriebnahme sollte der Apparat genau inspiziert werden. In welchem Zustand ist das Chassis? Wurde schon mal repariert? Sind Lötzinnreste als Tropfen oder feine Fäden auf den Platinen zwischen den Bauteilen, lose oder fest? (Kurzschlussgefahr!) Sind Kondensatoren geplatzt, aufgequollen? Wie sieht der Zeilentrafo aus? Hochspannungsgleichrichter und Kabel OK? Ist das Chassis verstaubt, so muss es gereingt werden, am besten mit einem Staubsauger und einem weichen Pinsel, indem man den Staub mit dem Pinsel entfernt und dabei absaugt. Alternativ kann man den Apparat auch bei trockenem Wetter geöffnet nach draußen stellen und mit Druckluft (nicht zu stark einstellen!) reinigen. Kleine unerreichbare Staubecken lassen sich mit Druckluft aus der Dose reinigen.
     
  • Besteht Verdacht auf Feuchtigkeit: den Zeilentrafo mit Heißluft aus dem Föhn mindestens 10 Minuten trocknen, auf jeden Fall aber solange bis der Trafo so heiß ist, dass man ihn nur schwer anfassen kann. Wer eine finnische Trockensauna hat, kann den Apparat auch dort bei 90° C für zwei Stunden hineinstellen (Achtung: Gefahr, dass sich das Gehäuse verzieht) oder im Sommer tagsüber in das Auto bei Sonnenschein stellen, wenn es im Auto richtig heiß wird. Auf diese Weise wird auch evt. Holzwurmbefall vernichtet. Bei Zeilentrafos mit offenen Spulen aus den 1950er Jahren kann es sinnvoll sein, sie auszubauen und in flüssigem Wachs im Topf auf dem Herd bei ca. 110° bis 130° C "auszukochen". Die Feuchtigkeit entweicht in Form feiner Bläschen aus den Spulen, eine Methode, mit der man bei der Reichspost vor dem Kriege schon Spulen und Kondensatoren wieder fitt machte.
     
  • Danach sind die Elektrolytkondensatoren im Netzteil dran. Wenn auf deren Kappe sich schon ein wenig eingetrocknete "weiße Paste" ausgetreten ist, so ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Apparat in der Vergangenheit schon mal mit nicht-formierten Elektrolytkondensatoren eingeschaltet wurde oder aber überlastet wurde durch einen Fehler in den Endstufen.
    Wer ein Labornetzteil mit Milliampéremeter besitzt, ist fein raus. Minus an Masse und Plus an den Pluspol des Elektrolytkondensatoren. (Man kann so mehrere gleichzeitig formieren, da sie oft über niedrigohmige Widerstände miteinander verbunden sind.) Mit 5 Volt beginnen, und in Schritten von 5 Volt langsam hochregeln bis auf die Sollspannung von ca. 250 bis 380 Volt. Dabei darauf achten, dass der Strom nicht 50 mA bei niedrigen und 80 mA bei höheren Spannungen überschreitet. Fließen mehrere hundert mA, so ist das ein Indiz für einen starken Leckstrom. In der Regel fließt beim Formieren ein erhöhter Strom, der nach wenigen Minuten absinkt. Dann schaltet man 5 Volt höher und wartet, bis der Strom abgefallen ist, und so fort. Manchmal braucht man dafür zwei Stunden, bis die Sollspannung erreicht ist. Manchmal ist das aber auch schon nach wenigen Minuten erledigt. Bei einer längeren Prozedur bitte darauf achten, dass der Elektrolytkondensator nicht unzulässig heiß wird.
    Besitzt der Apparat ein Hybridchassis, d.h. sowohl Röhren als auch Transistoren, so sollte auch das Niedervoltnetzteil überprüft werden. Verfahren genauso wie beim Hochvoltnetzteil, nur darauf achten, dass die Niedervoltspannungen (12 Volt, 24 Volt oder andere, bitte dem Schaltplan entnehmen), nicht überschritten werden. Halbleiter sind empfindlich gegenüber Überspannungen!
     
  • Wer kein Netzgerät hat, kann bei reinen Röhrengeräten auch folgendes Verfahren anwenden, das mir ein freundliches Forenmitglied beschrieb. Aber Achtung: das funktioniert nicht bei Geräten mit Röhrengleichrichtung oder Hybrid-Apparaten mit einer elektronischen Spannungsregelung, da die Elkos hinter der Regeleinrichtung so nur schlecht formiert werden können. Da ist die oben beschriebene Methode besser geeignet.
    "Beim Formieren von Elkos ist es wichtig, den Formierstrom zu begrenzen. Ich mache das so: Eine Glühlampe 40 bis 60 Watt / 230 Volt in Reihe zum Fernseher schalten. Voltmeter an einen der Hauptelkos. Das Ganze an den Trenntrafo. Den Fernseher für etwa 2 Minuten einschalten. Die Lampe sollte hell leuchten, sonst stimmt da was nicht: Netzschalter, Sicherungen,... Wenn die Lampe erst hell leuchtet und dann dunkler wird, ist meistens der Heizkreis unterbrochen. Dann schon früher abschalten. Nach dem Abschalten Spannung an den Elkos messen, falls die Elkos nicht mehr geladen sind: nachfühlen, ob die Elkos warm wurden. Das sollten sie noch nicht, aber falls doch: Abkühlen lassen und nochmal von vorn. Dann den Heizkreis unterbrechen (Röhre ziehen) und nochmal einschalten. Die Lampe sollte erst hell leuchten und dann langsam dunkler werden. Je schneller die Lampe dunkel wird, desto besser sind die Elkos. Nach einer halben bis einer Minute wieder abschalten und wieder Spannung messen und prüfen, ob die Elkos warm werden. Wenn ja, abkühlen lassen. So weitermachen, bis die Elkos auf voller Spannung sind. Die Lampe leuchtet dann nicht mehr. Dann die Glühlampe entfernen und den Fernseher direkt an den Trenntrafo anschließen. Einschalten, ausschalten, wieder Spannung messen und auf warme Elkos achten... Dann den Heizkreis wieder schließen und weiter mit der Fehlersuche. Wichtig ist dabei: lass dir Zeit. Lieber den Fernseher oft kurz einschalten als einmal zu lange. Gerade in den ganz alten Geräten sind oft Mehrfachelkos eingebaut, die wirklich nirgends mehr zu bekommen sind. Wäre doch schade, wenn man die wegen zu großer Ungeduld sprengt. Andersrum, fast alle Elkos sind für eine Maximaltemperatur von mindestens 70°C gebaut, das ist deutlich mehr als handwarm. "
  • Ist das Formieren abgeschlossen, so kann man einen ersten Test wagen. Eine Röhre ziehen, damit der Heizkreis unterbrochen wird (am besten eine der beiden Zeilenendröhren). Bei Farbgeräten Stecker der automatischen Entmagnetisierung ziehen! * Apparat über Trenntrafo und Regeltrafo anschließen. Voltmeter mit Messbereich bis 400 Volt Gleichstrom an einen Netzelko, Apparat über Regeltrafo betreiben und langsam hochregeln, dabei die Ausgangsspannung des Netzteils kontrollieren. (Wenn möglich, mit zweitem Messgerät auch die Gleichspannung des Niedervoltnetzteils überwachen.) Ggf. mit Oszillographen (ein gebrauchter Oszillograph ist oft für wenige Euro auf dem Radio- oder Sammlerflohmarkt zu bekommen, und die Anschaffung lohnt sich!) auf Restbrumm prüfen. Sind die Netzteilspannungen OK, dann auf zum nächsten Schritt:
     
  • Die entfernte Röhre wieder einsetzten. Schirmgitterwiderstand an der Zeilenendröhre an einem Ende auslöten. Nun mit Regeltrafo über Trenntrafo den Apparat langsam hochfahren. Kommt der Ton? Ist am Gitter 1 der Zeilenendröhre ein ordentliches Zeilensignal vorhanden, stimmen dort die Spannungen (ca. -20 bis -90 Volt), ggf. mit dem Oszillograph überprüfen. Ist an der Bildröhre ein Videosignal vorhanden? Wenn alles OK, dann:
     
  • Schirmgitterwiderstand wieder einlöten. Apparat mit Regeltrafo über Trenntrafo hochfahren. Heizen die Röhren, wenn nicht, mit Ohmmeter nach dem Abschalten die Unterbrechung suchen. Sonst: arbeitet die Zeilenendstufe (hohes Pfeifen sollte zu höhren sein)? Sind ungewöhnliche Geräusche zu hören? Riecht es verbrannt oder verschmort, steigt von einem Bauteil Rauch auf? Wenn ja, merken, wo es ist, und sofort abschalten, und der Sache nachgehen.
    Wenn die Anodenbleche der Zeilenendröhre (PL34, PL81, PL36, PL500, PL504, PL505, PL509, PL519 u.a.) rot glühen, ist das ein Indiz für einen Fehler in der Zeilenendstufe, u.U. für einen Windungsschluss im Zeilentrafo. Und von Jürgen Dworak erhielt ich noch den Hinweis: Glüht das Anodenblech der Boosterdiode (PZ30, PY80, PY81, PY83, PY88, PY500 u.a.) hell, so liegt in der Regel ein Kurzschluss im Boosterkondensator vor. Das ist der Kondensator am &qout;unteren Ende" der Primärwicklung am Zeilentrafo.
    Kommt die Hochspannung, wird der Bildschirm hell? Kann ein Programm empfangen werden?
     
  • Alle weiteren Schritte hängen nun vom Zustand des Gerätes ab. Wer mit der Reparatur alter oder historischer Fernsehgeräte nicht vertraut ist, sollte sich auf jeden Fall an einen Fachmann oder einen versierten Sammler wenden, der Erfahrung mit solchen Geräten hat. Unabhängig davon aber gilt: Einen gefundenen oder neu hervorgeholten Fernseher ohne entsprechende Vorbereitung und Überprüfung wie hier beschrieben niemals einschalten! Die Gefahr ist einfach zu groß dass wichtige Bauelemente unwiderbringlich zerstört werden und u.U. sogar derjenige gefährdet wird, der den Apparat einschaltet.

* Anmerkung: Ich lasse die automatische Entmagnetisierung in der Regel abgeschaltet. Wenn sich Farbflecken durch Magnetisierung der Lochmaske zeigen, setze ich den Stecker der automatischen Entmagnetisierung wieder ein und ziehe eine Röhre, so dass bei einem kurzem Einschalten (direkt am Netz) nur die Entmagnetisierung aktiviert ist, und die Röhren nicht unnötig belastet werden.

Zur


[Zurück]
Stand: 3. September 2007,