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Farbmonitor

Farbfernsehen:

Dokumentation: Farbbild-Kontrollempfänger des "Betriebslaboratoriums für Rundfunk und Fernsehen" des Rundfunk- und Fernsehtechnisches Zentralamts der Deutschen Post (RFZ)

Baujahr: ca. 1963

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Studio Farbmonitor "MC 47 3 BA" der Fernseh GmbH


Als sich in den USA langsam das Farbfernsehen etablierte, begannen Techniker in Europa mit Farbfernseh-Testversuchen. Dazu entwarfen und bauten sie sich eigene Farbmonitore, die zum Teil auf amerikanische Technik basierte, aber den neuen Anforderungen in Europa entsprach. Ein solches Beispiel ist der Farbbild-Kontrollempfänger des "Betriebslaboratoriums für Rundfunk und Fernsehen" aus der DDR, vermutlich um 1963 entwickelt. (Dieses Datum ist auf den Elkos notiert - der Schaltplan hat jedoch schon eine Druckgenehmigungsnummer von 1960). Dieser Farbbild-Kontrollempfänger ist vermutlich der einzige noch verbliebene Apparat aus der Frühzeit der Farbfernseh-Entwicklung. Aus der damaligen Zeit gibt es sogar noch Berichte über diese Versuche: 1, 2, 3.

Farbfernseh-Versuchsmonitor aus der DDR, ca. 1963 Farbfernseh-Versuchsmonitor aus der DDR, ca. 1963

Obwohl der Farbbild-Kontrollempfänger eine amerikanische Rundkolbenbildröhre besitzt (21CYP22), ist der Bildausschnitt rechteckig gewählt, entsprechend den deutschen Sehgewohnheiten. Die Regler für die Bedienung sind auf der Vorderseite hinter einer aufklappbaren Klappe verborgen. Ein Blick von oben in den Farbbild-Kontrollempfänger zeigt die massige Bildröhre, die durch Blechrahmen und -verstrebungen gehalten wird.

Farbfernseh-Versuchsmonitor aus der DDR, ca. 1963 Farbfernseh-Versuchsmonitor aus der DDR, ca. 1963

Der Blick von hinten zeigt auf der linken Seite das Ablenkteil mit der Hochspannungserzeugung. Im unteren Bereich sind die Farbendstufen zu sehen. Im rechten Teil fehlen die Röhren. Hier ist ein NTSC-Signalteil (oder eine NTSC-Abwandlung) realisiert, das wahrscheinlich später nicht mehr in Benutzung war. Darauf lassen die hier fehlenden Röhren schließen. Eventuell ist der Farbbild-Kontrollempfänger dann nur mit FBAS-Signal betrieben worden als sich die DDR für das SECAM-Verfahren entschied.

Farbfernseh-Versuchsmonitor aus der DDR, ca. 1963 Farbfernseh-Versuchsmonitor aus der DDR, ca. 1963

Die genaue Anzahl der Röhren konnte noch nicht ermittelt werden, aber sie übersteigt die Zahl derer, die man gewöhnlich in einem Farbfernsehmonitor vermuten würde. Das Netzteil ist sehr großzügig ausgelegt und sorgt mit umfangreichen Kondensatorbänken für eine saubere Gleichspannung. Acht EC360 Längsregler sorgen nicht nur für eine gute Siebung, sondern auch für stabile Spannungen. Die Röhren sind nahezu ausschließlich mit 6,3 Volt beheizbar, nach amerikanischem Vorbild.

Farbfernseh-Versuchsmonitor aus der DDR, ca. 1963 Farbfernseh-Versuchsmonitor aus der DDR, ca. 1963

Die Zeilenendstufe entspricht ganz und gar der amerikanischen Technik der späten 1950er Jahre, mit Gleichrichterröhre für die Hochspannung und mit Balasttriode. 6DQ5 und 6AU4GTA sind die Endstufenröhre und die Booster-Diode, EY51 ist Fokus- Gleichrichter, 3A3 die Hochspannungs-Gleichrichterröhre und 6BK4 die Balasttriode. Diese Röhren (sowie die Bildröhre) sind direkt aus den USA importiert worden. Bauteile und Schaltungstechnik lassen darauf schließen, dass das RCA Chassis CTC-9 als Vorbild diente.

Farbfernseh-Versuchsmonitor aus der DDR, ca. 1963 Farbfernseh-Versuchsmonitor aus der DDR, ca. 1963

Platinen wurden nicht verwendet. Die Schaltungen sind sauber mit Lötleisten in Handarbeit realisiert worden. Im unteren Teil des linken Photos sind die RGB-Signal-Eingänge mit Beschriftung noch gut zu erkennen. Zur Geschichte der Farbfernsehentwicklung in der DDR ist folgende Notiz aufschlussreich: "Schon Ende 1960 hatte die Deutsche Post mit dem Farbfernsehen experimentiert - damals noch auf der Basis des amerikanischen NTSC-Systems: 'In kollegialer Zusammenarbeit, besonders mit den Wissenschaftlern und Ingenieuren der UdSSR, (...) wird das Farbfernsehen auch in der DDR eingeführt werden. (...) Wir werden aber dabei Fehler oder besser kapitalistische Gepflogenheiten, wie sie in den USA zu finden sind, vermeiden.' - behauptete Kurt Hein: Das farbige Bild wird kommen. In: Neues Deutschland vom 13. 6. 1960. Bereits 1963 wurde dann ein 'Farbfernsehversuchsstudio' eingerichtet und für die technischen Versuchssendungen eigene Technik entwickelt: 'RGB-Mischverstärker QV 603', 'Videoverteilerverstärker QV 604', 'Farbkorrekturverstärker QV 605' und einen 'RFZ-Farbfernseh-Epiabtaster'. Über diese ersten Versuche und Untersuchungen ausführlicher in Wort und Bild Wobst, J.: Das Farbfernsehversuchsstudio des RFZ. In: Technische Mitteilungen des RFZ 3/ 1964, S. 122 -124."

Farbfernseh-Versuchsmonitor aus der DDR, ca. 1963 Farbfernseh-Versuchsmonitor aus der DDR, ca. 1963

Gehäuse und Kontakte weisen schon starke Korrosionsschäden auf. Da ist noch viel Arbeit nötig, bis der Farbbild-Kontrollempfänger wieder funktionsfähig ist. Die hier gezeigte Vorderansicht mit Bild ist getrickst. Doch die Chancen, dass dieser Farbbild-Kontrollempfänger wieder ein sauberes Bild liefert, sind gar nicht so schlecht, denn die Bildröhre hat noch hervorragende Strahlstromeigenschaften - ein Indiz, dass dieser Farbbild-Kontrollempfänger nicht oft in Betrieb genommen wurde.

Schaltplan

hier klicken, 320 KByte. Der Schaltplan ist in besserer Auflösung und Qualität per Emailanfrage erhältlich.

Röhren

21CYP22, 5mal EC85, ECC82, 6DQ5, EY51, 6BK4, 6AU4GTA, 3A3, 11mal EL84, 3mal EAA91, 3mal ECL82, 6mal ECC85, 4mal EL83, 7mal ECF83, 13mal ECF82, 11mal EF80, 2mal EAA91, 2mal EL34.

Warnung: Diese Webseite bietet Ihnen einen Einblick in das Innere des Gerätes. Beachten Sie bitte, dass die Entfernung von Rückwänden und Abdeckungen nur dem Fachmann vorbehalten ist. Das gilt besonders, wenn das Gerät eingesteckt ist, in Betrieb ist oder unter elektrischer Spannung steht. Verbrennungen oder gar tödliche Stromschläge können die Folge sein! Aber auch bei Netztrennung besteht die Gefahr, dass bei unsachgemäßer Vorgehensweise bösartige Stromschläge geschehen können. Insbesondere die Bildröhre und die mit ihr verbundenen Baugruppen können noch Stunden oder Tage nach der letzten Inbetriebnahme weit über 10.000 Volt Hochspannung führen. Der Autor lehnt jede Haftung für Verletzungen und Schäden, resultierend aus den hier gegebenen Informationen ab und weist ausdrücklich darauf hin, dass für den Unkundigen vor dem Öffnen von Geräten Fachleute wie Elektriker oder Elektrotechniker befragt werden müssen.

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Stand: 27. Dezember 2006,